Geschichte des Hundes

Jedem ist bekannt, dass Hunde domestizierte Wölfe sind. Durch den Vorgang der Domestikation haben sie sich völlig dem Menschen  angepasst. Der gezähmte Wolf wurde den menschlichen Bedürfnissen entsprechend geformt; es entwickelte sich eine besonders innige Beziehung im Laufe von Jahrtausenden. Der Hund wurde zum besten Freund, Wächter, Beschützer und Jagdgefährte.

Geschichtlicher Werdegang der Hunde

Zum Ende der Eiszeit, in dem Zeitraum zwischen 25000 und 18000 Jahren v.Chr. gibt es erste gemeinsame Spuren von Mensch und Wolf. Die Spuren von Altsteinzeitlichen Lagerplätzen zeigen zahme Wölfe, erkennbar durch Anomalien der Zähne, die sich bei zahmen und gefangenen Tieren einstellen. Mensch und Wolf waren lange Zeit Gegner, und wahrscheinlich waren es Jungtiere, die die eiszeitlichen Jäger von der Jagd mitbrachten. Es kann wohl angenommen werden, dass dies ohne einen bestimmten Zweck zu verfolgen geschah. Sie waren sicher auch nicht in der Lage, die Gemeinsamkeiten zu erkennen, die Menschen sowie Wölfe gemeinsam hatten: Beide waren darauf angewiesen, in Gruppen zu jagen, und beide haben soziale Rangfolgen. Diese Voraussetzungen bildeten die Grundlagen der gemeinsamen Geschichte beider. Es dauerte Jahrtausende, bis sich aus dem gezähmten Wolf, der sich in Gefangenschaft vermehrte, eine neue Form entwickelte. (Diese Entwicklung fand an unterschiedlichen Orten zeitgleich statt – Asien und Europa). Die Unterschiede zu den wilden Verwandten beruhen nicht nur darauf, dass sie deutlich kleiner waren (Widerristhöhe 50-60 cm), auch der Schädel der neuentwickelten Art – die zwar immer noch wolfsähnlich war – zeigte einen wesentlich kürzeren Schnauzteil. Der gezähmte Wolf verwandelte sich in den Hund – das erste Haustier des Menschen-. Es ist nicht nachweisbar, ob sie eine bestimmte Funktion hatten. Es deutet wenig darauf hin, dass sie zu der Zeit schon als Jagdgehilfen dienten. In der Zeit zwischen 10000 und 8000 v.Chr. hatte der Hund sich schon über die gesamte Erde verbreitet, sich den unterschiedlichen geographischen und klimatischen Bedingungen angepasst. Zwar war das Aussehen der Hunde noch sehr uneinheitlich mit einer Größe von 45-60 cm, denn eine gezielte Zucht gab es noch nicht, doch hatte sich das Verhältnis von Mensch und Hund grundlegend verändert. Denn auch die Erde hatte sich verändert. In der nach der Eiszeit dicht bewaldeten, unübersichtlichen Landschaft, wird der Hund zum Jagdhelfer des Menschen. Dies wird durch Felszeichnungen belegt. Die zunehmend enger werdende Beziehung, von Mensch und Hund in dieser Zeit spiegelte sich auch im Bestattungskult wieder; so fand man Hunde Seite an Seite mit ihrem Herren.

Hunde als Jagdhelfer

Es war die Jagd, die den Menschen über Jahrtausende hinweg überleben lies. Durch die hervorragenden, vom Wolf ererbten, Jagdeigenschaften des Hundes, war diese Jagdgemeinschaft wohl die erfolgreichste in der Geschichte der Menschheit. Im Laufe der Jahrtausende hat der Mensch die besonderen Eigenschaften seiner Hunde gezielt selektiert, um die Verwendung seiner entsprechenden Jagdtechnik anzupassen. Jagdhunde stehen nicht nur am längsten im Dienst der Menschen, sie sind und vor allen waren unverzichtbare Partner des Menschen bei der Verfolgung und Erlegung von Wildtieren. In der frühen Zeit des Jagens war der Jagdhund nicht Gebrauchshund nach den heutigen Maßstäben. Der Ursprung der Jagdhunde liegt in der Rassegruppe der Bracken. Diese gehen zurück auf die 500 n.Chr. benannten Segusier (Keltenbracke). Schauen wir uns die Jagd einmal im Mittelalter an: Hier war die Funktion des Hundes bei der Jagd entscheidend, nicht ihr Aussehen. Es gibt Abbildungen der mittelalterlichen Jagdhunde in Handschriften, Altarbildern, Reliefs und Skulpturen sowie auf ihre Funktionen; dies zeigt ihre Wertschätzung beim Menschen, ganz besonders beim Adel des Mittelalters. Schon im Mittelalter scheint man eine eigene Technik zur Hetzjagd entwickelt zu haben. Bei der Hetzjagd wurden je nach ihren Eigenschaften und Fähigkeiten unterschiedliche Hunde eingesetzt. Wind- und Laufhunde dürften wohl die zwei wichtigsten Hetzhundetypen gewesen sein. Beide unterschieden sich schon damals gründlich in ihrer Jagdtechnik. Die Windhundschläge, auch „hetzende Hunde" genannt, erreichen beim Laufen hohe Geschwindigkeiten, jagden auf Sicht und brachten das Wild dank ihrer Schnelligkeit zur Strecke. Die Laufhunde (der Segusier), oder auch „jagende Hunde" genannt, waren in der Regel langsamer als das zu erlegende Wild und arbeiteten auf Witterung. Sie ermüdeten das Wild durch ihre Ausdauer.

Damals wichtige Jagdhunde

Windhunde spielten frühzeitig bei den Kelten eine große Rolle. Im Mittelalter gab es zwei Windhundschläge, die nebeneinander existierten: Einen schweren Windhundtyp für die Jagd auf Schwarz- und Rotwild und eine leichten Windhundtyp für die Feldjagd auf Hasen und Kaninchen. Laufhunde übernahmen mehrere Funktionen bei der Hetzjagd, so trat er sowohl als Meute als auch als Leithund auf. Aus der Meute wurde ein besonders geeigneter und mit feiner Nase ausgestatteter als Leithund ausgewählt, welcher eine spezielle Ausbildung besaß.               Im St. Ardennenkloster St. Hubertus wurden Hunde gezüchtet, welche bevorzugt zur Leithundarbeit eingesetzt wurden. Die Hunde, die dort gezüchtet wurden, gelten als Stammvater der Bracken. Bei der Hasenhetze wurden auch gemischte Meuten eingesetzt, aus Lauf- und Windhunden.

Habichtshunde

Bei der Beizjagd diente im Mittelalter der Vogel- oder Habichtshund zum Aufstöbern von Federwild. Diese Hunde zeigten auf der Jagd das besonders wichtige Verhalten des „Vorliegen" oder „Vorstehen".

Bau- und Erdhunde

Wohl schon ab dem frühen Mittelalter wurden Dachshunde zur Jagd verwendet. Teckel (Dackel) und Terrier wurden lange zusammen bei der Erdjagd eingesetzt. Terrier und Pinscher zählen zu den ältesten jagdlich geführten Hunden und wurden neben der Erdarbeit auch bei der Saujagd eingesetzt.

Doggenartige Hunde

Auf der Jagd von Bären, Wölfen oder Wildschweinen wurden doggenartige Hunde eingesetzt. Um leichtere Vertreter zu erhalten wurden diese doggenartigen mit Wind- und Laufhunden gekreuzt, diese Kreuzungen wurden besonders bei der Wolfsjagd eingesetzt.

Laufhunde

Altägyptische und mediterrane Lauf- und Windhunde zeigen, dass die Zucht von Laufhunden schon lange vor 2000 Jahren begann. Laufhunde verdanken ihre große Verbreitung wohl den Kelten, insbesondere die Bracken. Der Vorfahren der westlichen und mittleren Bracken ist der Segusier oder auch Keltenbracke genannt. Aufgabe dieser großen Hunde war wohl das Aufspüren und Stellen des Wildes, bis der Jäger es mit dem Speer erlegte. Das Halten von „Hounds" in der Meute kam im 7. Jahrhundert in Mode. Lauf- und Schweißhunde verfolgten die Beute allein oder in der Meute. Je nach Rasse variiert die Verwendung auf Hoch- oder Niederwild. Was Laufhunde auszeichnet ist eine feine Nase, Ausdauer bei der Jagd, freundliches und lenkbares Wesen, der Sinn für Gemeinschaftsarbeit und Suchlaut bei der Meutearbeit. Bekannte Rassen dieser Gruppe sind: Basset, Beagle, Bloodhound. Bracken, Foxhound, Ridgeback, um nur ein paar zu nennen.

Vorstehhunde

Dem charakteristischen Verhalten, vor dem gefundenen Wild lautlos zu verharren verdankt  der Vorstehhund seinen Namen. Der Vorstehhund zeigt dem und auf Befehl des schussbereiten Jägers muss der Hund das Wild auffliegen lassen. Mit Einführung von Schusswaffen war diese Art der Jagdhilfe eine besondere Bedeutung. Da die Hunde vor der Schusswaffe arbeiteten, nannte man sie auch „gun-dogs", sie finden das Wild und haben eine sehr feine Nasenveranlagung. Besondere Spezialisten vor dem Schuss sind die englischen Vorstehhunde Setter und Pointer. Deutsch-Drahthaar, Münsterländer oder auch Pudelpointer zählen zu den kontinentalen Vorstehhunden und sind eher Allzweckhunde, geeignet zur Fährtenarbeit, Apportieren, Nachsuche und Wasserarbeit. Rassen dieser Gruppe der kontinentalen Vorstehhunde sind Deutsch-Kurzhaar, Münsterländer, Pudelpointer und Weimaraner. Britische Vorstehhunde sind Irish-Setter, English-Setter, Gordon-Setter und Pointer weitere Vorstehhunde: Braque, Deutsch-Drahthaar, Viszla, Deutsch-Stichelhaar, um nur einige zu nennen.

Apportier- Stöberhunde

Zusammengefasst werden hier Retriever, sowie Wasser- und Stöberhunde, auch Vogelhunde genannt, sie sind spur- und fährtensicher im Unterholz, suchen das Wild, stoßen es auf und apportieren es nach dem Schuss. Retriever sind schwerer im Typ als die Vorstehhunde. Hunde dieser Gruppe sind umgängliche Haus- und Familienhunde. Einige Rassen dieser Gruppe sind Retriever, Pudel, Spaniel, Wachtelhund, Kooikerhoundje, Wetterhound.

Hunde als Arbeitstiere

Gehorsam und Intelligenz sind Eigenschaften des Hundes, die es dem Menschen möglich machten, den Hund in vielen menschlichen Lebensbereichen einzusetzen. Menschen und Hunde bilden schon lange eine bewusste Arbeitsgemeinschaft. Die Einsatzbereiche des Hundes sind umfangreicher als die jedes anderen Haustieres. (Vom Jagdhund, Lastenträger, Schäferhund bis hin zum Kriegshund) Es gab vor allem in der Vergangenheit kaum einen Lebensbereich, der nicht mit dem Haustier Hund besetzt wurde. Die Geschichte zeigt, dass bei der Beziehung „Mensch als Boss" und „Hund als Arbeiter" oft das Wohl des Hundes auf der Strecke blieb.

 Kriegshunde

Kriegshunde wurden schon bei den Assyrern, Sumerern, Babyloniern und Römern eingesetzt. Im Altertum kamen überwiegend doggenartige Hunde als Kriegshunde zum Einsatz. Ziel der mit Stacheln gepanzerten großen Hunde war es, die Reihen der feindlichen Soldaten durcheinander zu bringen, sowie den Soldaten und Pferden schwere Verletzungen zuzufügen. Die Römer schickten oft als Vorhut ganze Hundestaffeln in den Kampf.  Die Anforderungen an Kriegshunde änderte sich im 19. Jahrhundert, es wurden keine Hunde mehr mit starken Kampf- und Schutztrieb benötigt, denn Kriege wurden nicht mehr Mann gegen Mann ausgefochten, sondern durch Kriegstechnik. Man setzte nunmehr mittelgroße, schnelle und lernfähige Hunde ein, sie brachten Kriegsgeräte, Munition, Verpflegung und ganz wichtig Nachrichten an die Front. So war der moderne Militärhund geboren. Die US Army setzte 9300 Hunde von 10425 Hunden im 2. Weltkrieg für Wachaufgaben ein (Küstenbewachung, Hafenverteidigung, Flugplatzsicherung, Depot- und Industrieanlagenüberwachung). 1934 arbeitete die größte Gruppe von 3174 Hunden als Küstenwache am Strand; sie sollten vor feindlichen Unterwassertätigkeiten schützen. Als das US Militär ab 1944, die Offensive in Europa begann, verschob sich das Hauptgewicht der Einsätze auf kämpfende Hunde. Das Kriegsministerium autorisierte im März 1944 die Gründung von „Quatermaster War Dog Platoon" und gab spezielle Tabellen zur Organisation und Ausrüstung dieser heraus. 15 solcher Züge wurden im 2. Weltkrieg aktiviert, 7 in Europa und 8 im Pazifik. Der sogenannte Pfadfinderhund und seine Einheiten wurden von der Infanterie auf Kampfpatrouillen geschickt. Pfadfinderhunde konnten die Anwesenheit des Feindes in einem Abstand von 1000 m ermitteln, lange bevor es den Soldaten bewusst geworden wäre. Das Vorhandensein dieser Hunde verminderte die Gefahr des Hinterhalts und stärkte die Moral der Soldaten. Schließlich wurde die komplette Hundeausbildung in Fort Robinson, Nebraska auf taktisch kämpfende Hunde umgestellt.